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Dieter Drewitz: "Kennwort Alpenveilchen. Zwischen Stasiknast und Kaltem Krieg".

"Das Verhör zog sich Stunde um Stunde hin. Inzwischen war es längst dunkel, da wurde es plötzlich abgebrochen. Die Polizisten legten mir Handschellen an, und einer stieß mich mit seinem Karabiner auf den Hof. Dort stand ein mit Gardinen verhängter dunkler PKW "Sachsenring", besetzt mit einigen Herren, die sich als MfS (Ministerium für Staatssicherheit)- Mitarbeiter ausgaben.Vorn zwei in Zivil, hinten zwei Uniformierte.Zwischen den beiden hinten Sitzenden musste ich Platz nehmen, wobei einer der beiden mit einer Pistole vor meinem Gesicht herumfuchtelte und mir drohte, von ihr Gebrauch zu machen, sollte ich Widerstand leisten........Die Fahrt ging nur um einige Ecken und endete auf einem festungsartig umzäunten Grundstück...Ich wurde in einem Raum gestoßen, wo sich auch gleich ein Kerl in Zivil, Mitte bis Ende zwanzig, auf mich stürzte, mich mit beiden Händen am Kragen packte, unablässig schüttelte und brüllte. Zuerst konnte ich nicht verstehen, was er schrie. Dann erst merkte ich, dass es immer die gleiche Frage war: Bei welcher West-Berliner Zeitung wolltest du die Fotos verkaufen, für welchen Geheimdienst arbeitest du?....Ein uniformierter Stasimann brachte mich schließlich in den Keller.....Der Albtraum währte nun schon fast zwölf Stunden, ich fühlte mich am Ende- und ahnte nicht, dass es erst der Anfang war..."

Dieter Drewitz: "Kennwort Alpenveilchen"


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JETZT BIN ICH RAUS,JETZT. Jürgen Fuchs

Jetzt bin ich raus,jetzt kann ich erzählen Wie es war Aber das  Läßt sich nicht erzählen Und wenn Müßte ich sagen Was ich verschweige Zum Beispiel Daß ich am 17.12.1976 in meiner Zelle saß Mit dem Rücken zur Tür Und weinte Weil ich am Vormittag das Angebot abgelehnt          hatte Mit ihnen zusammenzuarbeiten Und du weißt  Was es heißt,mit ihnen zusammenzuarbeiten    (aus Jürgen Fuchs "Tagesnotizen/ Gedichte")                                                 Jürgen Fuchs war im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen in den Zellen 111, 117,306 und 332 in Haft. http://www.youtube.com/watch?v=k_FXbavByOw

Sänger hinter Gittern.

 “Mehr als zwei Wochen war ich nun im Gefängnis, und morgen hatte Gabriele Geburtstag. Schon mehrmals hatte ich meinen Vernehmer gebeten, ihr eine Karte schreiben zu dürfen. Heute schob er mir von sich aus eine Karte mit einem Blumenbild und einen Stift hin. Ich merkte gar nicht, wie sehr ich beim Schreiben zitterte. Der Vernehmer nahm die Karte zurück, drückte einen Knopf und ein Läufer erschien. „Bringen Sie die Karte nebenan.“ Ich wurde hellhörig: „Was nebenan? Die Karte soll doch zu meiner Frau!“ Lächelnd entgegnete mein Gegenüber: Na, die sitzt doch daneben”.Sie war vier Stunden nach mir verhaftet worden. Aus: Sänger hinter Gittern.  Die wahre Geschichte eines deutschen Sängers zwischen Ost und West   von  Irene Köß    https://www.stiftung-hsh.de/mediathek/biogramme/friedemann-koerner https://www.story.one/de/book/sanger-hinter-gittern/

"Freiheit und Verantwortung sind eng miteinander verbunden". Gino Kuhn

  " Als ich kurz nach meiner Verhaftung  im Oktober 1975 in diese Gruft, der Untersuchungshaft der Cottbuser Staatssicherheit  ( MfS) am Spreeufer hinter dem Amtsgericht, gestoßen wurde, war alles,  woran ich in Freiheit geglaubt habe, wie ausgelöscht....... Die Zelle  war mit einer Glühbirne schwach beleuchtet. Tageslicht suchte sich seinem Weg durch schmutzige Glasbausteine. Einen Blick nach draußen gab es nicht. Die Zelle war ca. 2x3 Meter klein. Der Boden war mit einer dunkelroten Farbe und die Wände mit einem fleckigen Dunkelgrün gestrichen. Den Boden musste ich regelmäßig mit einem Lappen unter meinen Füßen reinigen. Die Luft war schlecht. Auf der Holzpritsche lag eine modrige Matratze mit einer grauen Decke, auf der ich tagsüber eh nicht liegen dürfte. In der Ecke stand der Metallkübel als Toilette, den ich selber in einem dafür vorgesehenen Raum reinigen musste. Ein kleiner Schemel und in der Wand befestigter Tisch. Kein Waschbecken, kein Wasser. Durch d...