Lektüre(n) gegen das Vergessen ist ein Projekt der Arbeitsgruppe
"Demokratie für Kuba-Berlin"

jueves, 2 de mayo de 2013

Gisela Gneist/Günther Heydemann: "Allenfalls kommt man für ein halbes Jahr in ein Umschulungslager"

Ich habe Gisela persönlich kennengelernt und ihr Mut hat mich inspiriert und beeindruckt. Sie wurde, als sie 15 Jahre alt war, verhaftet und wegen "bewaffneten Aufstandes gegen die Sowjetunion" zu 10 Jahren Arbeits-und Erziehungslager verurteilt. 2004 schenkte sie mir das Buch.Wir telefonierten mehrmals  und  wollten uns wieder in Berlin treffen.Sie starb leider 2007.


"Für Jorge Vazquez mit allen guten Wünschen insbesondere, dass seine Heimat bald von der kommunistischen Gewaltherrschaft befreit wird"
Berlin, 6.11.2004
Gisela Gneist
(Aus der Buchwidmung) 

 

Gisela Dohrmann(Gisela Gneist) über die mehr al vierjährige Haft


"In den GPU-Kellern gab es Schläge  mit der Peitsche und anderen Gegenständen während der nächtlichen Verhöre, Schlaf- und Essensentzug, Wassersuppe, keine Waschmöglichkeit, verdreckte Kellerzellen ohne Tageslicht, Ungeziefer, nackte Holzpritschen, keine Decken. Besuche waren unmöglich"......"In Alt-Strelitz waren wir in Gefängniszellen eingesperrt. Wassersuppe und trockenes Brot bildeten unsere Verpflegungsrationen. Seit der Verhaftung besaßen wir keine Möglichkeiten,unsere Kleidung zu waschen. Karzerstrafen waren an der Tagesordnung. Gelegentlich bestand eine Arbeitsmöglichkeit, zum Beispiel das Saubermachen  bei den Offizieren und der Wachmannschaft, die allerdings durch die ständigen Belästigungen- auch außerhalb der Arbeit-unerträglich wurde. Außerdem waren in diesem Zusammenhang entwürdigende Untersuchungen im Lazarett an der Tagesordnung"..."In Sachsenhausen waren wir in der II. Zone in Baracken eingesperrt. Ab November 1946 wurde die Verpflegung halbiert, 300 Gramm Brot und Wassersuppe...."

Aus: Gisela Gneist/Günther Heydemann "Allenfalls kommt man für ein halbes Jahr in ein Umschulungslager".Nachkriegsunrecht an Wittenberger Jugendlichen.
Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V
ISBN 3-00-011007-0



lunes, 29 de abril de 2013

Michael Bradler: "Ich wollte doch nicht an der Mauer erschossen werden"


HAFTBEFEHL


"Ich weiß heute nicht mehr genau, wie lange ich in meiner Einzelzelle schmorte.Das Zeitgefühl war mir sehr schnell abhanden gekommen. Irgendwann drehte sich ein Schlüssel im Schloss.......Wieder das kommense. Wieder über endlose Gänge. Zwischendurch  Halt, Gesicht zur Wand, immer dann, wenn an der Decke die rote Lampe angeht. Ich ahnte schon, dass der Grund hierfür darin lag,dass sich irgendjemand aus einem Seitengang näherte, dem ich nicht begegnen soll, den ich nicht einmal sehen durfte........Warum war das so? Klar, man sollte vereinsamen. Nicht einmal durch einen schnellen Blickkontakt Trost finden, dass es auch andere neben einem selbst gab, denen es ebenso erging.Geteiltes Leid ist halbes Leid, das sollte es hier nicht geben! Man sollte völlig ausgeliefert sein, einzig und allein Kontakt zu Posten und Vernehmern haben. Auf diese Weise wird der Mensch immer kleiner,psychisch gebrochen, ein willenloses Häufchen Elend. Es ging auf subtile Art und Weise darum, den Häftling gefügig zu machen.......Ich wurde in einen Raum geführt, der vom Nebenraum durch ein vergittertes Fensterchen abgetrennt war. Mir gegenüber, jenseits des Gitters, saß ein Mann. Wohl der Haftrichter. Warum das Gitter zwischen uns? Sicherlich um zu verhindern, dass der Häftling dem Herrn Haftrichter vor lauter Begeisterung gleich um den Hals fällt? Er verlas mir den Haftbefehl. .... Was nicht im Haftbefehl steht, ist der Nachsatz des Haftsrichters: Die Höchsstrafe für landesverräterische Nachrichtenübermittlung beträgt 12 Jahre. Diese Worte trafen mich wie ein Blitz! Ich war wie gelähmt. Zwölf Jahre! Wegen landesverräterischer Nachrichten übermittlung? Wieso denn?


aus: Michael Bradler "Ich wollte  doch nicht an der Mauer erschossen werden"

      http://www.buchhandlung89.de/Michael-Bradler-Ich-wollte-doch-nicht-an-der-Mauer-erschossen-werden


"Jetzt, im Vernehmungszimmer, schiebt sein Vater ihm einen Zettel und einen Bleistift über den Tisch und sagt die Worte, die Michael Bradler sein Leben lang nicht mehr vergessen wird: "Du ziehst jetzt deinen Ausreiseantrag zurück, oder ich bin nicht mehr länger dein Vater." Der Sohn weint, aber er zieht nicht zurück. Michael Bradler steht auf und lässt sich in seine Zelle zurückbringen. Er wird seinen Vater nie wieder sehen"

 http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte-wie-die-stasi-einen-mann-zur-waise-machte-a-307465.html

 http://www.stiftung-hsh.de/page.php?cat_id=CAT_224&con_id=CON_698&page_id=378&subcat_id=

sábado, 6 de abril de 2013

Dieter Drewitz: "Kennwort Alpenveilchen. Zwischen Stasiknast und Kaltem Krieg".

"Das Verhör zog sich Stunde um Stunde hin. Inzwischen war es längst dunkel, da wurde es plötzlich abgebrochen. Die Polizisten legten mir Handschellen an, und einer stieß mich mit seinem Karabiner auf den Hof. Dort stand ein mit Gardinen verhängter dunkler PKW "Sachsenring", besetzt mit einigen Herren, die sich als MfS (Ministerium für Staatssicherheit)- Mitarbeiter ausgaben.Vorn zwei in Zivil, hinten zwei Uniformierte.Zwischen den beiden hinten Sitzenden musste ich Platz nehmen, wobei einer der beiden mit einer Pistole vor meinem Gesicht herumfuchtelte und mir drohte, von ihr Gebrauch zu machen, sollte ich Widerstand leisten........Die Fahrt ging nur um einige Ecken und endete auf einem festungsartig umzäunten Grundstück...Ich wurde in einem Raum gestoßen, wo sich auch gleich ein Kerl in Zivil, Mitte bis Ende zwanzig, auf mich stürzte, mich mit beiden Händen am Kragen packte, unablässig schüttelte und brüllte. Zuerst konnte ich nicht verstehen, was er schrie. Dann erst merkte ich, dass es immer die gleiche Frage war: Bei welcher West-Berliner Zeitung wolltest du die Fotos verkaufen, für welchen Geheimdienst arbeitest du?....Ein uniformierter Stasimann brachte mich schließlich in den Keller.....Der Albtraum währte nun schon fast zwölf Stunden, ich fühlte mich am Ende- und ahnte nicht, dass es erst der Anfang war..."

Dieter Drewitz: "Kennwort Alpenveilchen"


jueves, 28 de marzo de 2013

Entlassen zum Klassenfeind. Gisela Quasdorf

"Fast im gleichen Moment schrie ganz in der Nähe eine tschechische Stimme, Schüsse fielen. Mit einem Satz sprangen wir zurück in den Wald, lagen im nassen Gebüsch und hielten den Atem an. Alles ging dann sehr schnell. Der Wald wurde lebendig. Leuchtkugel erhellten den Himmel, Hundegebell..Bald fand ein zotteliger Schäferhund unser Versteck........ Trotz ohnmächtiger Angst blickten wir uns an und ein Lächeln kam über unsere schmutzverschmierten und vom Unterholz zerkratzten Gesichter..."

Aus: "Entlassen zum Klassenfeind". Eine Deutsche Biographie.
          Wermut Verlag, Berlin
          Autorin: Gisela Quasdorf

martes, 26 de febrero de 2013

"Wenn Mielke unterschrieben hätte...." Peter Rüegg



"Die Beschuldigten haben sich damit der Schädlingstätigkeit gemäss § 23 des Strafrechtsergänzungsgesetzes schuldig gemacht....Aufgrund der außerordentlich hohen Gesellschaftsgefährlichkeit ihrer Verbrechen erscheint es notwendig, gegen die Beschuldigten XXX und Rüegg die Todesstrafe zu erwirken..."

"Das Essen reicht zum Überleben. Es wird in Schüsseln gereicht. Oft gibt es Mehlsuppen, die uns aufschwemmen aber dadurch wohlgenährt erscheinen lassen. Morgens und Abends gibt es dicke Stücken Brot mit Margarine bestrichen, machmal auch Wurst, dazu Tee, den wir aus Schüsseln trinken. Außer dem Fäkalienkübel befindet sich nichts in den Zellen. Tische, Stühle oder Hocker gibt es nicht, nur diese bühnenartige Pritsche, auf die wir uns tagsüber nicht legen dürfen. Handtücher und Zahnbürste, Brillen und Prothesen befinden sich außerhalb. Es gibt nichts zu lesen, keine Zeitungen, keine Bücher..."


Aus: "Wenn Mielke unterschrieben hätte....Vorschlag: Todesstrafe"
          Autor Peter Rüegg
          Berlin: Pro BUSINESS 2005
            

sábado, 23 de febrero de 2013

"Recht auf Würde". Armando Valladares

"Ich erinnere mich, wie sie mich in eine Strafzelle warfen, nackt, ich hatte mehrere Knochenbrüche an einem Bein, ich erhielt keine ärztliche Behandlung.Eine der gewöhnlichen Praktiken der Wachmanschaften sei es gewesen, über den Zellen der Häftlinge auf einem Stahlnetz zu stehen und Kübel-gefüllt mit Jauche -über ihnen auszuschütten....ich kenne den Geschmack von Urin und den Exkrementen anderer Menschen. Diese Methode hinterläst keine Spuren, Spuren hinterlassen die Schläge mit Stahlrouten und Bajonettenspitzen. Was kann zu einer größeren Beschädigung der menschlichen Würde führen, als mit Kübeln voller Urin und Exkrementen übergossen zu werden oder mit Bajonetten verprügelt zu werden? Was ist bei Ihnen der entsprechende Artikel, um über diese Fakten zu diskutieren? Unter welchen Protokollpunkt fällt dies? Unter welchen Aktenstapel, unter welches Konferenzgremium fällt dieses Herumtrampeln auf der Menschenwürde.."
Bericht vor der UN-Menschenrechtskommission (1982)
Armando Valladares hatte aus politischen Gründen  22 Jahren in kubanischen Gefängnissen gesessen. 1982 wurde  auf internationalen Druck freigelassen.
Quelle: “Ärzte und Folter” (zm 24/2001, Seite 22)

Das Castro-Regime versucht immer noch Valladares zu diffamieren.Er wird als Terrorist und Simulant bezeichnet.

Autobiografie:"Wider alle Hoffnung. Gefangener unter Fidel Castro"

miércoles, 20 de febrero de 2013

Qualen und Verzweiflung in der U-Haft. Karl -Heinz Richter

"Zelle 80 war ein alter Kaiserbau,dunkel,muffig und nicht besonders warm.Durch das Fenster konnte man nichts sehen, da von außen Glasbausteine angebracht waren.Die Sicht war also gleich null. Hell und dunkel konnte ich schon unterscheiden, doch das war es dann auch.Jetzt hatte ich eine Zeitung zum Lesen, doch es ging nicht.An manchen Tagen hatte ich Licht, oh wie schön. Die Zeitung enthielt ein kleines Kreuzworträtsel. Woher aber einen Bleistift dafür hernehmen? An unserem Knasthemd befanden sich kleine Knöpfe, aus Alu, die mit Stoff überzogen waren. Einen Knopf drehte man ab, entfernte diesen Stoff, überzog  sein Kreuzworträtsel  mit dem nassen Zahnstein, ließ dies trocknen, und schon konnte man mit seinem Alu-Knopf in das Kreuzworträtsel hineinschreiben. Ein kleiner Zeitvertreib, der sehr wichtig für uns war, doch zum Missfallen der Wächter führte. Wurde dies entdeckt-beim Zeitungsempfang wurde die alte Zeitung wieder herausgegeben-, bekam man keine Zeitung mehr..."


Aus: "Mit dem Moskau-Paris-Express in die Freiheit.Eine Flucht von Ost nach West"
          Karl Heinz-Richter



lunes, 18 de febrero de 2013

"Zelle 31". Manuel Vázquez Portal



"Die Zelle ist 1,5 x 3 Meter groß, die Gittertür ist halb bedeckt mit einer Stahlplatte, durch ein vergittertes Fenster sieht man den östlichen Teil des Gebäudes und es kommen Sonne, Regen und Insekten hindurch. Ein Etagenbett aus verrostetem Metall, ein Brett aus Pressholz und eine alte und schmutzige Matraze aus harter Watte. Die Toilette ist eine Schüssel ohne Deckel, aus welcher Tag und Nacht Gestank ausströmt. Direkt darüber ein Wasserhahn zum Waschen und Trinken.Kein Tisch,kein Stuhl,kein Regal,keine Bettwäsche,kein Kissen,kein Mückennetz, keine Bettdecke,kein Radio,kein Fernseher,keine Presse,keine Bücher,kein Besteck,kein Glas,keine Kanne. Alles aus Plastik und von der Familie mitgebracht..."

Auszug aus "Zelle 31"


Manuel Vazquez Portal
Kubanischer Journalist und Schriftsteller
Während der Repressionswelle im März 2003 verhaftet und zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde 2004 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen und lebt im  Exil.


Zeichnung: "Isolationszelle 36".Canaleta-Cuba
Autor:  Jesús Joel Diaz Hernández,Cubanet

miércoles, 2 de enero de 2013

Matthias Melster

Kleine Freude!
Autor 
Matthias Melster
Wall Die Kontrolle der Bilder
2009 by Onkel&Onkel
ISBN 978-3-940029-36-2


"Kommen Sie! Kommen Sie!" Ich bin glücklich. Hoffentlich ist sie noch da, hoffentlich geht es ihr gut.

"Schnell! Schnell! " Darauf kannst du dich verlassen, dass ich mich beeile.

"Da rein!" Darauf kannst du dich verlassen, dass ich mich beeile.

"Da rein!" Nur zu gerne. Jetzt erst mal nicht hinsehen. Sie dürfen nichts merken, sonst wird sie entfernt. Die Tür fällt ins Schloss. Mein Blick geht nach oben. Der Himmel. Das
erste Mal sehe ich ihn seit drei Tagen.

Der Schlüssel dreht sich. Zweimal. Gleich ist es soweit. Bleib ruhig. Erst hinsehen, wenn der andere auch weg ist.

Er rückt die MP zurecht. Steht da wie angewurzelt. Also Liegestütze. Nun geh schon. Du musst auch auf die anderen aufpassen.
Endlich.

Er geht nach links. Ich springe auf, drehe mich um. Ja. Da ist sie. Sie steht in der Ecke, genau wie vor einer Woche. Was für ein Anblick. Sie ist so schön, so wunderschön. Ganz zart, und zerbrechlich.

Die Schritte nähern sich wieder. Jetzt nichts anmerken lassen! Einfach laufen. Drei Meter geradeaus; rechtsum; fünf Meter geradeaus; und rechtum; drei Meter geradeaus, noch mal rechtsum; fünf Meter geradeaus, wieder rechtsum. Immer an der Wend lang, immer im Kreis. Ich hasse Mauern, ich hasse im Kreis laufen.

Er geht wieder weg. Jetzt schnell wieder zu ihr. Ich knie mich hin. Ich bin ihr nah. Ich spüre Tränen. Ich wage nicht, sie zu berühren. Es sind Freudentränen.

Der Schlüssel rasselt im Schloss. Schnell aufstehen. Ein Blick noch. Wer weiss, wann wir uns wiedersehen.

Die Tür geht auf. Die Tränen wegwischen. Keiner soll etwas merken. Sie ist so wundervoll.

"Kommen Sie!" Mach`s gut. ich muss zurück in meine Zelle. Ich werde an dich denken - wenn ich alleine bin. Ich bin immer alleine. Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder - falls ich in diese Freigangzelle komme.

Nie werde ich dich vergessen, Du kleiner Löwenzahn. 

 Matthias Melster (geb.1966) wurde im Alter von 20 Jahren nach einem Fluchtversuch verhaftet und war von Mai bis September 1987 in der Untersuchungshaftanstalt des Staatssicherheitsdienstes.